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Auszug aus "Wie mich meine Nachbarin und der Tresenphilosoph noch mehr verstörten" (Novelle, 56 Seiten)
Jay (Kurzwerk)
Leonard (Kurzwerk/Kurzgeschichte)


Samstag, 5. November 2011

Der Spieler (Kurzwerk)

Der Spieler


Ich bin ein Spieler. Ich bin der Spieler.

Sehe das Leben als ein Spiel an. Als mein Spiel.

Nichts belastet mich, nichts schockiert mich. Ich habe keine Angst vor Veränderungen. Alles kommt, wie es kommt. Und ich würfle.



Man sagt, es sei unnatürlich und nicht gut, wenn der Aussehensabstand mehr als zwei Punkte beträgt. Und das eigentlich völlig zu recht. Ist man selbst eine 5 und sie eine 9, dann ist man höchst belastet. Wenn man so ist, wie man ist, ist man einfach nur eine 5. Die restlichen 4 Zählerpunkte müssen durch andere Dinge kompensiert werden. Selten ist es Intelligenz, die das zu bewerkstelligen vermag, viel häufiger ein guter Körper, extremes Selbstbewusstsein oder mentale Stärke. Eine Ausnahme besteht, sobald sie ihre 9 durch etwas anderes reduziert. Z.B. extrem schlechte, nervige Eigenschaften. Oder ein extrem abschreckendes, peinliches Lachen.

Wie auch immer. Jedenfalls ist man bei besagter Differenz einfach unter Druck. Leistungsdruck. Man muss ihr etwas bieten. Fällt man plötzlich wieder dahin zurück, dass man man selbst ist, ist das Spiel verloren. Doch zum Glück bin ich ein S p i e l e r.

Doch lassen Sie mich noch etwas sagen. Bzw. Sie etwas fragen: Was bringt es, eine Beziehung zu führen, in der man nicht man selbst sein kann? Man ist mit der schönsten Frau zusammen, in die man unsterblich verliebt ist, doch man hat ständig Angst, sie zu verlieren. Beim Essen kann man seine Spaghetti-Gabel schon nicht mehr halten, weil sie einen so nervös macht. Geschweige denn mit Freude essen. In völliger Übersäuerung aufgrund des Stresspegels stopft man sich dann was rein, damit sie keinen Verdacht schöpft, wie schlecht man sich fühlt. Kein Bissen macht Spaß, nichts gefällt hier. Und alles nur, weil man sie fein ausführen wollte. Und was hat man selber davon? Nichts, nichts, nichts! Es ist die Hölle. Doch zum Glück bin ich der S p i e l e r.

Ich spiele gern, auch wenn andere am Spiel zerbrechen. Ich spiele und fühle mich gut, auch wenn jeder andere in meiner Situation Angst hätte, das Spiel zu verlieren. Mir ist das Ergebnis egal. Wahrscheinlich ist mir sogar das Spiel egal. Zumindest in gewisser Hinsicht. Doch es ist das Einzige, was mich reizt.

Schöne Frau, ich spiele mit dir und du merkst es noch nicht einmal. Allerdings meine ich das Spiel sogar ernst. Doch bin ich der einzige, der erkennt, dass es ein Spiel ist.



Ich stand eines Tages vor meinem Badspiegel. Machte meine Haare. Und ich stellte mir vor, was sich mein Spiegelbild denken könnte. Was sich jemand gedacht hätte, der nicht wie ich wusste, dass es ein Spiel ist, dass es immer nur um ein Spiel geht. Ich stand vor dem Spiegel und meine Gedanken sprudelten. Das Spiegelbild sagte: "Warum ich so bin, wie ich bin? Eher müsste es doch heißen: Warum ich so geworden bin, wie ich heute bin.. Jahre lang wahrte ich Stillschweigen und kaschierte es mit Sarkasmus, doch heute sage ich dir und nur dir und nur ein einziges Mal: Ich bin endlos enttäuscht und verletzt. Enttäuscht von mir selbst, enttäuscht von anderen. Mein Schmerz schlägt parallel zu meinem Herzen. Er ist gleich bleibend und heftig. 'Aber selbst nachdem ich das zugebe gibt es keine Katharsis. Dieses Geständnis war völlig.. bedeutungslos.'"

Mein Spiegelbild zitiert Bateman. Eine interessante Phantasie. Mir tat die armseelige Person im Spiegel leid. Es waren Qualen, die in seinen Augen standen, als er es sagte. Warum ließ er es nicht einfach wie ich an sich vorüberziehen? Warum erkannte er nicht? Warum verstand er nicht? Andererseits: Was hätte er schon tun können, als zu versuchen, weiter zu gehen. Zu versuchen, mit sich selbst leben zu können.

Ich sprühte mir noch Parfüm auf den Schnittpunkt von Hals und Wangen. Ein gutes Parfüm. Ich nahm meinen Mantel und ging. Noch einen kurzen Moment bemitleidete ich die imaginäre Person meiner Gedanken, die zur Unterhaltung erschien. Dann vergaß ich sie.



Ich ging zu meinem Auto und fuhr zu ihr. Ich kannte sie noch nicht lange, ein paar Monate. Durch andere Leute kennengelernt. Und irgendwann sahen wir uns mal wieder. Und irgendwann gingen wir mal was zusammen trinken. Und heute wollten wir zusammen essen gehen.

Wir saßen uns gegenüber und erzählten uns Sachen. Irgendwann fing sie an, mit ihrem Fuß mein Bein zu berühren. Ich tat so, als wäre es das Normalste der Welt für mich. Mit der Zeit wurde sie bissiger. Sie fing an Fragen zu stellen, die mir ihre wahren Gedanken enthüllten. „Was würdest du denken, wenn dir eine Frau, die du noch nicht wirklich kennst, sagen würde, dass sie sich in dich verliebt hat?“ Es war so offensichtlich. Aber ich spielte gerne mit, indem ich nicht mitspielte. Ich konnte dort dasitzen und dennoch gleichzeitig ein objektiver Beobachter sein, der alles durchblickte und Gefallen an dem Betrachten einer Situation findet.

Statt zu antworten, fing ich an zu lachen.

Sie wurde ein bisschen sauer. Sie grinste und sagte: „Hey, ich meine das ernst.. Fragst du dich solche Sachen nicht auch manchmal? Ich dachte immer, du wärst einer, der über sowas nachdenkt. Also, was würdest du denken?“

Ich lachte ein bisschen weiter.

„Jetzt komm schon du Langweiler.“

Die Zeit war für mich gekommen, ihr etwas zu antworten: „Was würdest du dir denn in so einer Situation denken?“, sagte ich ohne Unterton.

„Naja, ich… ich…“

Ein brillanter Schachzug von mir.

Als ich sie nach Hause fuhr und wir bei ihr ankamen, blieb sie sitzen. Dachte sie wirklich, ich würde mich jetzt zu ihr rüber lehnen und sie küssen? Sie kam mir mit dem Gesicht immer näher. Ich spürte ihr Herz rasen. Ich blieb einfach ganz normal sitzen und sah sie an. Sie hauchte mir ins Gesicht, dass es schön mit mir war. Ich blieb ganz normal sitzen, schaute sie an und lächelte freundlich. Dann ging sie. Völlig erotisiert.

Ich kompensierte nichts mehr. Ich stand über den Dingen. Über allem. Über mir.



Es sind sehr einfache Dinge, die die meisten nicht verstehen. Und das meiste hat damit zu tun, scharf zu denken und seine Hemmungen komplett zu verlieren.

Es sind wenige Dinge, die nötig sind, um erfolgreich zu sein. Will man ein erfolgreicher Programmierer werden, muss man die Grundlagen verstehen und sich nutzbares Wissen erarbeiten, das in erfolgsträchtige Projekte fließen kann. So einfach ist das. Ganz ehrlich.

Die Leute stehen dennoch rum, sind betrübt und wundern sich.

„Warum hat es bei mir nie geklappt?“, fragen sie sich. Ist doch ganz einfach. Entweder hast du die Grundlagen nie gelernt oder nie verstanden. Oder du hast nicht die Möglichkeit ergriffen, dir danach nutzbares Wissen zu erarbeiten. Oder du hast ebendieses nicht in erfolgsträchtige Projekte fließen lassen. Vielleicht war dir deine Lustlosigkeit mehr wert. Oder du warst nie bereit etwas in deinen Erfolg zu investieren. Und damit meine ich nicht Geld, sondern hauptsächlich Zeit und Anstrengung. Mit Spaß wird man nahezu nie erfolgreich. Es ist oft kein Spaß dabei, man muss durch harte Jahre gehen, um etwas zu erreichen. Doch wer das nicht tut, wird nie was erreichen.

Es ist an sich sehr einfach. Also hör auf dich zu fragen, warum du kein Glück hattest.

Ich bin froh, es durchblickt zu haben. Das ganze System, das ganze Spiel. Macht doch mehr Spaß so, als in seinen Trivialitäten, seinen Illusionen, seinen Depressionen gefangen zu sein. Lieber stehe ich darüber und schaue zu.

Ich hatte einen komischen Traum. Auf eine epische Art und Weise stand ich im stümischen Wind und schrie jemand zu, um den Wind zu übertönen: „Warum habe ich es nicht schon vorher erkannt? Warum.. war ich so im Nutzlosen gefangen? Warum habe ich nicht schon vorher aufgehört, im Spiel gefangen zu sein ohne zu merken, dass es ein Spiel ist? Ich ging durch die Hölle für s i e !“ Ich wachte auf. Auch diesem Gedanken, den mein Unterbewusstsein schrie, gedachte ich nicht lange. Warum auch. Ich machte mir zum Frühstück ein Omelett, sah fern und ließ mir danach ein paar Minuten die Sonne ins Gesicht scheinen. Ein schöner Tag. Ich sollte mir endlich ein Pool kaufen.

Fortsetzung folgt?

(c) 2011, Nathanael Merten

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