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Leonard (Kurzwerk/Kurzgeschichte)


Sonntag, 4. September 2016

Die Serie Defiance: Unwürdige ScieFi-Ideen

Es gibt einige Aspekte der eigentlich großartigen Serie Defiance, die zwar den Dreh und das Drehbuchschreiben erleichterten, aber für einen vom Weltall begeisterten Menschen höchst unbefriedigend sind:



Menschen und Aliens? Klar können die sich ohne Weiteres kreuzen!

Wie naiv gedacht ist das denn? Nicht nur, dass die Aliens alle mit zwei Armen, zwei Beinen und einem menschenartigen Kopf daherkommen - sie haben auch exakt so wie wir Menschen Sex. Und natürlich: Wenn der kastitanische Penis in die menschliche Vagina eintritt kommt ein Mischlingskind heraus. Man kann zwar nicht mal Mensch und Menschenaffe kreuzen, aber klar: Wenn fremde Aliens auf die Erde kommen: Mit denen können wir uns sofort kreuzen. Selbst die neuen Aliens der dritten Staffel, die Omegs, sehen wieder fast wie Menschen aus, Frauen sind kleiner als di Männer haben Brüste und stramme Körper und die Männer unterscheidet nicht wirklich was von menschlichen Männern. Und leben ihre Sexualität natürlich ebenfalls wieder wie freizügige Menschen aus.
Ein SciFi-Fan ist von der Möglichkeit begeistert, dass es auch mehr als 2 Geschlechter geben könnte. Oder auch nur eines. Und dass Sexualität bei fremden Wesen vielleicht gar nichts mit Lust zu tun haben könnte. Und dass Aliens nicht einfach nur wie kreisebleiche oder lilane Menschen aussehen.
Warum auch immer - den Autoren von Defiance fiel nichts besseres ein. Der Höhepunkt der Kreativität ist, dass die reptilienartige Rasse der Endogenen allesamt weiblich und lesbisch sind. Wow, wie lange musste man dafür wohl überlegen?

Und natürlich: Alles atmen die gleiche Luft und haben keinerlei Problem damit. Die Liste der verpassten Chancen mal etwas wirklich Kreatives zu erschaffen könnte man endlos erweitern. Schade schade. Serien wie Babylon 5 oder selbst die Neuverfilmung von Battlestar Galactica bleiben in ihren Ideen und ihrer Kreativität bislang ungeschlagen.

Freitag, 19. August 2016

Ace

Ace
Wann fängt das Ace endlich an zu wirken?
Denn der bittersüße Schmerz, den ich wegen dir habe, ist viel zu heftig, als dass ich ihn noch länger ertragen will.
Wann fängt das Ace endlich an zu wirken?
Denn ich muss wieder Energie zum Arbeiten haben, damit mein Leben weitergehen kann.
Wann fängt das Ace endlich an zu wirken?
Und warum sehne ich mich nach dir, obwohl du mich verletzt?
Wann fängt das Ace endlich an zu wirken?
Damit du mir endlich einen Augenblick egal sein kannst.

Sonntag, 26. Juni 2016

Die Begegnung in der Bar Teil II

Erscheinungsdatum: Noch nicht geplant
Status: Fast fertig geschrieben

Teil 1: hier (ursprünglich unter dem Titel "Wie mich meine Nachbarin und der Tresenphilosoph noch mhr verstörten" erschienen)

Auszug aus Teil 2:

"Ich schmeiße alles in den Kofferraum und fahre einfach los. Doch wo soll es hingehen? Ich fahre und fahre, bis ich am Bodensee ankomme. Ich stelle mein Auto an irgendeinem Hotelparkplatz ab. Bevor ich irgendwo hingehe, setze ich mich in den Kofferraum und mache mich noch ein Bier auf. Ich bin müde. Es ist schon Abend. Ist es hier wirklich besser als zu Hause?

Ich trinke noch ein paar Bier am Fluss um die Ecke und schlafe auf meiner Rücksitzbank ein.

Am nächsten Morgen wache ich mit Rückenschmerzen auf. Ich suche mir mit meinem Handy ein MotelOne in der Nähe, damit die nächste Nacht besser wird. Reserviere mir ein Zimmer.
Ich fühle mich wie irgendwo im Nirgendwo. Was mache ich überhaupt hier? Aber gut: Ich wollte wegfahren, ich bin weggefahren. In einem Supermarkt kaufe ich mir 2 Bananen und 2 Brezen zum Frühstück. Den Tag verbringe ich, indem ich mit Sonnenbrille am See spazieren gehe oder am Ufer sitze. Ich lese ein wenig. Geschichten von einer anderen Welt. Unterhalte mich mit Rentnern, die Vögel und Igel beobachten. Eigentlich ganz unterhaltsam. Und um 16 Uhr fange ich das Trinken an. Ich wünsche mir so sehr eine Hausparty. Eine Hausparty. Auf der alle trinken und glücklich sind. Wo in der Küche tiefgehend über Beziehungen geredet wird, während im Wohnzimmer getrichtert wird. Wo im Schlafzimmer der Eltern rumgemacht wird, während im Garten die Leute auf Bierkästen sitzen und sich den Arsch wegen schlechten Witzen ablachen. Um 21 Uhr finde ich mich in irgendeiner Bar wieder. Ein Standardurlaubstag. Hinter der Bar ist eine große Wiese mit einem aufgebauten Zelt. Irgendeine Abschlussfeier wie es scheint.

Dadurch, dass ich noch nicht auffällig ergraut oder betrunken bin, kann ich dort einfach hinlaufen und komme ins Zelt hinein. Alles ist mal wieder so surreal. Ich kaufe mir eine Maß Bier. Ich weiß immer noch nicht, was hier los ist. Ist es ein großer Geburtstag? Eine Firmenfeier? Keine Ahnung."

Dienstag, 29. März 2016

Warum geraten Frauen immer nur an Typen, die nichts Festes wollen?

Diese Frage wird einem häufig von Frauen gestellt, die durchschnittlich oder relativ gut aussehen, aber trotzdem längere Zeit single sind, obwohl sie sich eigentlich eine Beziehung wünschen. Dann haben sie ein paar Dates. Mit einigen, die ihnen gefielen, sind sie im Bett gelandet. Doch die haben dann immer gesagt, sie wollten keine Beziehung. Darum blieb die Frau single und war irgendwie erstaunt und ein wenig unglücklich darüber, dass ihrer Wahrnehmung nach die Typen ja "alle nichts Festes wollen". Stimmt das?

Es ist so: 2 von 10 Jungs wirken so attraktiv (Aussehen, Art), dass jede Frau auf sie abfährt. Allerdings bumsen sie sich nur durch die Gegend. Weil sie es eben können. Die nächsten 3 von 10 Jungs haben hin und wieder eine tragische Liebesgeschichte, sind aber meistens vergeben, weil sie von einer Beziehung in die nächste rutschen. Die nächsten 3 von 10 Jungs hätten gern eine Beziehung, sind aber lange auf der Suche (das sind die, von denen du denkst, dass sie deinen Ansprüchen nicht genügend). Und die letzten beiden finden leider nur nach langer langer Zeit oder nie eine Freundin.
Die, mit denen du ein Date oder mehr hattest, waren also immer nur die 2 von 10 Rumbumsern. Denn, wir erinnern uns: Die unteren 8 von 10 sind entweder: Unattraktiv, für dich nicht genug oder vergeben. Und dann wunderst du dich, dass ein Rumbumser... rumbumst und nichts Festes will?

Mittwoch, 23. März 2016

So spielt das Leben

Es war im Jahre 2013, da habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben, die ich auch mal bei einem Poetry Slam vortrug und die ganz gut ankam.

Mein Herz hängt an ihr und so beschloss ich, sie neu zu überarbeiten. Bitteschön:



So spielt das Leben


Er verliebte sich unsterblich in sie, als er sie das erste Mal sah. Er mochte alles an ihr. Ihr Gesicht, ihre Haare, ihre Stimme, ihre Art, ihr Lachen, ihren Humor, ihre Intelligenz.
Nach einiger Zeit gestand er ihr, dass er so endlos gerne mit ihr zusammen sein wolle.
Doch sie erwiderte, sie wisse nicht, ob das mit ihnen was werden könne. Er sei trotzdem ein so toller Mensch, mit dem sie unbedingt weiter befreundet sein wolle..

Er war dennoch weiterhin in sie verliebt und sagte ihr nur nette Sachen. Er konnte seine Gefühle für Sie nicht unterdrücken oder abstellen.
Sie wiederum wusste, dass er sie liebte, doch irgendwie fühlte sie sich nur freundschaftlich zu ihm hingezogen. Er bemühte sich trotzdem. Er wollte so gerne mit ihr zusammen sein. Für andere Frauen war er blind. Er genoss es, in ihrer Nähe zu sein. Es war Liebe und Verliebtsein in einem, was er gleich bleibend und nicht enden wollend für sie empfand. Er konnte sich keine Frau vorstellen, für die er mehr hätte empfinden können.

Und so ging das Leben weiter. Sie machten öfter mal was zusammen. Er war immerzu in sie verliebt und sie sah ihn immerzu nur als guten Freund an. Und die Monate vergingen.

Eines Tages planten sie zusammen an einem See campen zu gehen. Seine Freunde und ihre Freunde zusammen.

Er malte sich aus, dass er ihr am See in der Abendsonne sagen würde, dass er immer noch mehr von ihr will. Ganz egal, ob sie sich je für ihn entscheiden wird. Und auch wenn es nie was werden würde: Er würde immer für sie da sein. Immer.

Natürlich war das nur seine Fantasie, aber er nahm sich fest vor, es so geschehen zu lassen.

An einem Abend trafen sie sich, um ein bisschen durchzugehen, wer was mitnimmt. Sie fragte ihn dabei, ob sie nicht zusammen ein Zelt nehmen wollten. Er sah es als positives Zeichen. Vielleicht wollte sie die Chance ergreifen und ihm in einem nächtlichen Gespräch sagen, wie sehr sie ihn doch mochte und dass sie lange darüber nachgedacht habe und festgestellt, dass er doch die perfekte Partie für sie sei. Nie wäre ein Mann so gut zu ihr gewesen.

Der Urlaub rückte näher und schließlich saßen sie zusammen in seinem Auto und fuhren zum Campen. Er hatte immer noch Herzklopfen in ihrer Nähe. So abgöttisch war er in sie verliebt, obwohl sie sich nun schon so lange kannten und sich noch nicht mal geküsst hatten.

Sie schlugen zusammen ihr Zelt auf. Alle, die mitkamen, hatten an den Abenden ihren Spaß und er bedauerte sehr, dass sich nie die Gelegenheit ergab, alleine mit ihr am See in der Abendsonne zu stehen. In den Nächten redeten sie noch viel im Zelt. Sie sprach von ihrer Arbeit, ihren Freunden, ihren Ex-Freunden. Und er hörte einfach nur zu. Er liebte sie so sehr, dass es ihm gefiel, einfach nur ihre Stimme zu hören und ihr ein guter Freund zu sein.

Am nächsten Tag lernte sie jemand auf dem Camping-Platz kennen, der wohl genau ihr Typ war.

Am Abend fragte sie, ob ihre neue Bekanntschaft und sie das Zelt "benutzen" könnten. Ob das für ihn in Ordnung sei. Er konnte nicht anders als „ja klar, kein Problem, macht ruhig“ zu sagen, weil er zu ihr doch einfach nicht nein sagen konnte. Er saß wenig später alleine am Steg und weinte.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Drehbuch verkaufen: So viel verdient man durchschnittlich

Was kriegt eigentlich der Autor eines Tatortdrehbuchs? Und wie viel der Autor eines sat.1-Films? Und wie viel kann der Drehbuchautor eines deutschen Kinofilms verdienen?

Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich recherchiert und bin zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Free TV Spielfilme (z.B. Krimi oder schnulziger Sat.1-Film, jeweils deutsche Produktionen)

20.000 bis 60.000 € pro Drehbuch bei Buyout (d.h. keine Folgeeinnahmen bei TV-Wiederholung oder sonstigen Verwertungen).

Deutscher Kinofilm

60.000-80.000 € (Quelle)

Die WAZ berichtete übrigens, dass ein Tatort-Drehbuch für bis zu 30.000 € eingekauft wird. Allerdings bekommt der Autor hier auch noch bei Wiederholungen immense Zahlungen.


Übrigens: Man kann zwar davon ausgehen, dass ein Vollzeitautor mehr als ein Drehbuch im Jahr schreiben kann. Und wir wissen auch von Autoren wie JMS, dem Erfinder von Babylon 5, dass sie jeden Tag frühmorgens aufstehen und bis Abends durchschreiben. Allerdings stehen auf der anderen Seite der Medaille die Drehbuchautoren, die sagen, das ein revolutionäres, innovatives und besonderes Drehbuch 5 bis 10 Jahre Bearbeitungszeit mit dutzenden Überarbeitungsläufen braucht. Letzteres sollte dann allerdings auch deutlich mehr Geld einbringen können :)


Mittwoch, 20. Mai 2015

Im Urlaub jemand Besonderes kennenlernen


Bester Dialog der Welt:


"Na, freuste dich auf deinen Urlaub?"

"Kennst du dieses eine Gefühl, dass man in diesem Urlaub jemand Besonderes kennenlernen wird? 
Genau das habe ich nicht :D"








(c) 2014, https://nathanaelmerten.blogspot.com

Dienstag, 19. Mai 2015

Nathanael und der Tresenphilosoph

Zum Vergrößern klicken

Ich bin also tatsächlich seit Jahren das Suchergebnis Nr. 1 bei dem Begriff "Tresenphilosoph" auf Amazon.de. Jauza.

Zeit also, etwas zum Tresenphilosoph zu sagen.
Die Idee und die ersten Kapitel zu meinem Buch  "Wie mich meine Nachbarin und der Tresenphilosoph noch mehr verstörten" kamen mir im Jahr 2009. Bis Sommer 2011 schrieb ich daran. Ca. Herbst  2011 war die erste Auflage fertig. Eine Zweite folgte Ende 2011.

Warum ich das erzähle?

Naja, 2011 war anders. Vor 4 Jahren war Facebook auf seinem Höhepunkt. Schließlich gab es es erst 2009 auf dem deutschen Markt. Mit meinem Handy im Jahr 2011, das nicht einmal WLAN konnte, konnte ich mit extrem langen Ladezeiten gerademal Facebook aufrufen. Whatsapp ging nur auf den Flagschiffen für 400+ €,was ich mir damals noch nicht leisten wollte. 

Und jetzt haben wir 2015. Viele Geschichten habe ich seitdem geschrieben. Und ein bisschen geslammt.

Und immer wieder dachte ich mir, ob ich nicht doch einen zweiten Teil schreiben soll. Und um was sollte es dann darin gehen?

Viele Ideen kamen. Viele Anfänge habe ich geschrieben. Und wieder verworfen.

Doch nun spüre ich, dass die Zeit dafür reif ist. Dass ich nun weiß, wie ich auf den Stil aufspringen und ihn beibehalten kann. Ich wünsche mir sehr, dass Teil 1 und auch der Teil 2, der irgendwann dann kommen wird, vielen Menschen gefällt. Sie es gerne lesen. Es auf dem Nachtkästchen liegen lassen, weil es ihnen so sehr gefallen hat, dass sie es nochmal lesen und darüber nachdenken wollen. Hier der Anfang von Teil 2. Ich hoffe, er gefällt.


Mein Herz wird schon gebrochen, bevor es überhaupt richtig gebrochen werden kann. Habe ich manchmal das Gefühl. 
In meiner Melancholie bin ich lustlos. Motivationslos für Sinnvolles. Keine Energie zum Lesen. Keinen Antrieb zum Sachen erledigen. In meiner Melancholie verstreicht viel Zeit. Und spätestens nach dem dritten Bier passiert irgend etwas. Also sofern ich nicht zu verkatert vom Vortag bin, um überhaupt drei trinken zu können. In meiner Melancholie trinke ich also zunächst drei Bier. Und danach passiert etwas. Ich überdenke mein Leben. Schmiede neue Pläne. Neue vermeintliche Auswege.
Oft gehe ich in meine Lieblingsbar. Der Barkeeper und ich kennen uns gut. Weil wir uns oft sehen. Ich glaube, selbst wenn er einen anderen Job machen würde und wir uns zufällig in der Stadt oder beim Einkaufen begegnen würden - wir würden uns miteinander unterhalten. Wie alte Freunde. Wie alte Klassenkameraden. 
Ich gehe also in meine Lieblingsbar. Im Erdgeschoss ist die Bar, im 1. Stock ein kleiner Club, eine Disko. Ich nähere mich dem Tresen und werde mit einem Lächeln empfangen. Der Barkeeper mit Glatze, um seine wohl immensen Geheimratsecken zu verbergen, trägt ein schwarzes T-Shirt. Das ist sein üblicher Stil. Seine 10 Kilo zu viel runden seinen speziellen Touch - gepflegt, aber nicht übertrieben gesundheitsbewusst. Sauber und passend gekleidet, doch nicht auffallend modisch. "Na, mein Bester? Siehst heute ja nicht besonders glücklich aus... Pils?" "Pils", wiederhole ich als Antwort. Er nimmt ein Pilsglas aus dem Regal hinter sich, hält es unter den Zapfhahn und lässt es professionell vollaufen. Erst das Glas, dann ich, denke ich. "Geht auf's Haus", sagt er, während er es mir auf den Tresen stellt.
Der Tresen. Scheinbar der einzige Ort, an dem ich häufig glücklich bin. Bitter und schön zugleich. Wenigstens etwas, auf das im Leben Verlass ist.

 Alles Gute und hoffentlich liest man sich bald wieder

Nathanael

Montag, 6. April 2015

Eines Tages, Baby



Eines Tages, Baby.

Oh ja, eines Tages, Baby. So abgedroschen bin ich, um das zu schreiben. So meinen Text anzufangen.

Eines Tages werden wir alt sein. Und noch vor einigen Jahren haben wir diesen einen Song gehört und Julia "eines Tages, Baby" übersetzen hören.

Und irgendwie müssen wir wirklich mal nachdenken.

Wir arbeiten jahrein, jahraus. Tagein, tagaus. Jahr ein, Jahr aus, Tag ein, Tag aus.

Mein Tag ist nun aus. Und die bisher vergangenen Jahre nun auch.

Und ich komme nicht umhin, dir zu sagen, dass es dich weniger betrifft, wenn du Geld hast. Wenn deine Eltern Geld haben. Wenn du sagen kannst: Ich werde eh mal nicht Vollzeit arbeiten.

Zielgruppe um drei Viertel vermindert, aber ok.

Arbeiten, um mal eine schöne Rente zu haben. Für mich gibt es kaum etwas paradoxeres. Derzeit Rente mit 63, wenn du 45 Beitragsjahre zur Rentenversicherung hast. 45 Jahre am Stück arbeiten. Vielleicht mal mit kurzer Arbeitslosigkeit. In den nächsten Job gehechtet.

Ich stelle mir die Frage, "Baby", ob es nicht besser ist, auch mal nicht zu arbeiten. Ok, ich bin Gasgebarbeit gewohnt. 45 Stunden Minimum.

Ist ein schönes Jahr ohne Arbeit 15.000 € Schulden wert?

Auf Malle kriegt man als Deutscher in der Gastro oder im Entertainen ca. 1800,- € brutto. Inkl. Sonnenuntergang am Meer. Und feiernden, sich im Urlaub befindlichen aber eigentlich arbeitenden Menschen, die den Deutschen/die Deutsche hinter der Bar heiß finden.

Leben, Baby. Wollen wir nicht auch mal leben? Auch mal die Lücke im Lebenslauf riskieren?

Undenkbar, Julia! Ich habe so viele Jahre gedacht, dass ich es mir doch gar nicht leisten kann. Gar nicht leisten will. Ja WILL! Man muss halt auch mal den materialisierten Mammon entsorgen, um frei zu sein. Aber wer will schon entsorgen!

Schmeiß doch alles weg, löse alles auf, pumpe dir 5000,- € und lebe. Lesen, Musik, Schreiben. Die Welt verbessern. Obdachlosen helfen. In Jugendzentren arbeiten.

Was sagst du, Julia? Oder zielt dein Palawer nur auf sich Wegsaufen, Zudröhnen und stets mit dem Erstbesten rumvögeln ab?

Ich träume, Baby. Von Freiheit. Vom Leben. Vom Trinken. Vom Rauchen.

Ich hab's mich nie getraut. Muss ja Miete und Auto bezahlen. Müsste mich dafür ja verschulden.

Aber, Baby, ich glaube, man muss es einfach mal tun. Den Gedanken an die Zukunft vergessen. Auch mal wie ein Student aus gutem Hause 4 Monate ohne zu arbeiten frei haben können.

Eines Tages, Baby, werde ich alles ändern und endlich frei haben. Werde meine 50-Stunden-Woche gegen ein paar 0-Stunden-Wochen tauschen.

Eines Tages, Julia, mache ich das.

Eines Tages, Baby.

Donnerstag, 19. März 2015

Die Generation Y (hinterer Teil) und die Information

Ich bin quasi in einer anderen Welt aufgewachsen als die Generation nach mir. Der faszinierendste Aspekt war, dass Information einfach nicht verfügbar war. Freunde meiner Eltern waren so stolz darauf, dass sie mehrere Brockhaus-Bände zu Hause haben. "Ich kaufe mir jedes Jahr einen Band - bis eben alles vollständig ist", sagte ein Freund meines Vaters in den 90ern zu ihm. Stolz wie Otto war er, dass er schon fast 2 Regalreihen voll hatte. Ihm war es wichtig, nachschlagen zu können.

Atari 2600 Consola i comandaments (20 d'abril de 2009)
Atari 2600
Wenn ich etwas wissen wollte, musste ich jemand fragen. Doch noch viel öfter gab ich mich damit zufrieden, es einfach nicht zu wissen. Beim Atari 2600 (ich hatte die 1986-Version) spielten mein Bruder und ich stundenlang "Bobby geht nach Hause". Und DAS GANZE SPIEL, in JEDEM LEVEL und JEDER Szene kam dasselbe Lied (außer in der Endszene). Ich wusste über Jahrzehnte nicht, wie es heißt. Ein Ohrwurm. Stellen wir uns mal vor, ich hätte es damals wissen wollen. "Hey Bruder, weißt du eigentlich wie der Song heißt?" Antwort: "Nö." Thema abgehakt. Keinerlei Chance, es je herauszufinden. Und heute brauche ich nur mit meinem Galaxy S5 nach "Song Bobby geht nach Hause" suchen. Da kommt gleich ein Link auf "gutefrage.net" und "spieleklassiker.de" mit der Überschrift: "Hey Leute, kann mir jemand sagen, wie der Song bei Bobby geht nach Hause heißt" und jeweils genug Antworten. (Übrigens auch korrekte!)
Wenn ich neue Spiele kaufen wollte, musste ich in einen Laden. Online-Shopping gab es noch nicht. Man konnte sich nicht vorab informieren. Der Laden hatte das, was eben da war und daraus konnte ihc mir was aussuchen. Ohne zu wissen, was sonst noch so überhaupt gab.
Damals hatten wir einfach nicht die Möglichkeit. Papa war zum Glück einer, der extrem früh Internet hatte. Es war wohl so Mitte/Ende der Neunziger. Man musste zuerst die Modem-Software öffnen und eine Kennwort eingeben. Dann konnte man mit dem Netscape Communicator (ein Browser wie heute Google Chrome oder Firefox) surfen. Es wurde nach Minuten abgerechnet! Flatrate war eine innovative, weltverändernde Idde, die es damals nicht gab. Wenn ich mich recht erinnere, nannte man eine Flatrate damals "Standleitung" und die kostet richtig heftig Geld. So viel, dass es für den normalen Anwender uninteressant war.
Das Lustige ist, dass das Internet relativ leer war. Auf die meisten Fragen gab es dort noch keine Antworten. Google "füllte" sich erst im Laufe der Jahre. Aus Neugier googlete ich immer wieder mal nach Sachen, die mich interessierten, doch der Erfolg war sehr mäßig. Alles was man sich vorstellen kann, blieb im Internet der Anfänge unbeantwortet. Heute googlen wir "Unterschied Pils Weizen" und wissen, warum ein Weizen ("Weißbier") anders als ein Pils schmeckt. Doch damals gab es auf solch simple Fragen keine Antworten. Online-Artikel waren Mangelware, Wikipedia gab es nicht.

Netscape Communicator 4.51Ich weiß noch, dass ich ein Referat über ein bestimmtes Thema hielt. Ich googlete es und kam auf einer eBook-Seite raus. Alle anderen Ergebnisse waren nicht relevant. Ich zahlte dort ein paar Euro und kaufte mir ein PDF. So leer war das Internet. Es ging im Referat um die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Dritten Reich. Heute ist das Internet voll mit Artikeln und Einträgen darüber. Doch damals war Wikipedia gerade erst im Aufbau und hatte nur sehr spärlich irgendwelche Informationen. Ich erlebte mit, wie Wikipedia groß wurde, wie Google plötzlich den Markt eroberte. Ich hatte einen YouTube-Account, als YouTube neu und nur auf englisch war. Es sind schöne Erinnerungen, aber sie klingen für die Generation nach mir wahrscheinlich wie von einem fremden Planeten.

Der Freund von Papa hatte schon vor Paps Internet. Auch darauf war er damals stolz wie Otto. Er wählte sich mit seinem Modem ein und wollte uns die Seite der NASA zeigen. Aber da es gerade einen Schub neuer Internetnutzer gab und eine US-Website damals schwerer zur erreichen war als eine europäische, kamen wir innerhalb von einer ganzen Stunde nicht drauf (ja, der Browser funkt tatsächlich bis zu einem US-Server, bis man eine US-Website angezeigt bekommt, es sei denn, die Website ist auch auf einem europäischen Server gehostet).

Eine Sache lernte ich in meiner Kindheit: Man muss sich damit zufrieden geben, dass man viele Dinge nicht weiß. Das ist heute anders. Man kann alles in Erfahrung bringen. Ob Zecken wirklich von Bäumen hüpfen können. Ob Shisha so schädlich wie Zigaretten ist. Wie dieser eine Film nochmal hieß, den man vor vielen Jahren mal sah. Ob eine Frau wirklich während ihrer Regel schwanger werden kann.

Meiner Generation war es nicht vergönnt, das einfach googlen zu können. Ich musste mich mit meiner eigenen Einschätzung zufrieden geben. Ich musste meine Eltern oder Freunde fragen, wenn ich's genau wissen wollte, und die wussten es meistens auch nicht.

Heute haben wir einen Informationsüberfluss. Wir können über fast alles halbwegs zuverlässige Informationen herausbekommen. Was für ein Luxus! Und ich habe keine Ahnung, wie das heute z.B. 15-Jährige nutzen. Wie ist das denn, wenn sich ein 15-Jähriger irgendwas fragt? Googlet er dann danach? Oder ist er da zu faul dazu und gibt sich ebenfalls damit zufrieden, es nicht zu wissen, auch wenn er es relativ leicht wissen könnte? Keine Ahnung, ich weiß es nicht.

In diesem Sinne, ich hoffe ihr genießt die Sonnenfinsternis morgen. auf dass wir nicht erblinden, weil wir zu spät dran waren mit dem Brillenkaufen :p

Nathanael